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Geschichte

Ambulante Kranken- und Altenpflege

Viele kennen den Begriff "Gemeindekrankenpflege", so bezeichnete man bis in die 1980iger Jahre die Kranken- und Altenpflege im häuslichen Bereich. Damals waren es die Krankenpflegevereine, die eine Krankenpflegekraft angestellt hatten, die sich dann vor Ort um die Alten, Kranken, Einsamen und Bedürftigen kümmerte. Dieser Dienst wurde in der Regel von Diakonissen erbracht, die für die Patientinnen und Patienten im Einsatz waren. Vieles wäre ohne den evangelischen Pfarrer Theodor Fliedner so nicht möglich gewesen. Ungeachtet aller Widerstände bekämpfte er besonders das Elend und die Not der Kranken und Alten. Im Jahr 1836 eröffnete Fliedner die erste evangelische Diakonissenanstalt in Kaiserswerth. Die Entstehung der Krankenpflegevereine, die häufig kirchliche Wurzeln haben und von bürgerlicher Seite unterstützt wurden, lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Es gibt Vereine, die bereits ihr 200-jähriges Bestehen feiern. Krankenpflegevereine, die heute meist als Fördervereine fungieren, sind zur ideellen und finanziellen Unterstützung der Diakonie-Sozialstationen wichtiger denn je. Ab Mitte der 1970iger Jahre wurden dann - initiiert und finanziell unterstützt durch das Land Baden-Württemberg - die Diakonie-Sozialstationen aufgebaut, sie lösten die Krankenpflegevereine als Trägerinnen der Gemeindekrankenpflege ab. Mit der neuen organisatorischen Struktur konnte der sinkenden Zahl an Diakonissen und der steigenden Zahl an hilfebedürftigen Menschen begegnet werden. In Württemberg gibt es heute rund 195 Diakonie-Sozialstationen bzw. ambulante Pflegedienste, die dem Diakonischen Werk angeschlossen sind.

Nachbarschaftshilfe/Dienste für hauswirtschaftliche Versorgung

Organisierte Nachbarschaftshilfen wurden in Baden-Württemberg vor 30 - 40 Jahren gegründet. Ausgehend von einem Modell aus der Schweiz wurden von einer Einsatzleiterin Nachbarschaftshelferinnen gesucht, die Hilfe im Haushalt sowie Betreuung und Begleitung gegen eine geringe stundenweise Bezahlung durchführten. Damit sollten die Lücken in der gewachsenen Nachbarschaftshilfe geschlossen werden. Diese Dienste wurden bis Ende des letzten Jahrhunderts flächendeckend ausgebaut. Im Rahmen der Einführung der Pflegeversicherung wurden viele Nachbarschaftshilfen auch professionelle Anbieter von hauswirtschaftlicher Versorgung. Die meisten Dienste sind unter dem Dach von Diakonie-Sozialstationen tätig, auch Kirchengemeinden oder eingetragene Vereine bieten Nachbarschaftshilfe an.

Familienpflege

Sie wurde vor über hundert Jahren gegründet, und zwar als Antwort auf die sozialen Probleme von Familien, die besonders im Zusammenhang mit der Industrialisierung entstanden sind. Gewachsene Netze wurden durch die geforderte Mobilität der Arbeiterfamilien geschwächt und unzureichend abgesicherte Risiken führten zu Härten in Familien, vor allem dann, wenn ein Elternteil erkrankt war. Der Ausbildungsberuf der Familienpflegerin ist etwa 50 Jahre alt. Für die Anforderungen in Familien, die eine Landwirtschaft betreiben, wurde der Beruf der Dorfhelferin entwickelt. Bei Versorgungsproblemen in Familien, die in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Entbindung, Krankheit und Rehabilitation stehen, können Familienpflegerinnen vermittelt werden. Sie übernehmen die Versorgung der Kinder und führen den Haushalt weiter, sie beraten bei hauswirtschaftlichen Fragestellungen und unterstützen die Familien auch, wenn ein Familienmitglied schwer erkrankt ist.